25 Jahre Herzkatheter am Ortenau Klinikum in Lahr

25 Jahre Herzkatheter am Ortenau Klinikum in Lahr

Versorgungsqualität bei akutem Herzinfarkt deutlich über bundesweitem Standard.

Im November 1989 hat das Ortenau Klinikum in Lahr unter Chefarzt Prof. Dr. Dietrich Fleischmann die Koronarangiographie als neue und wichtige Untersuchungsmethode zur Diagnose von Herzerkrankungen eingeführt. Nach 25 Jahren zählt die spezialisierte Herzdiagnostik mit einem angegliederten Herzinfarktzentrum und einer Brustschmerz-Einheit (Chest Pain Unit) zu den größten Zentren der Herzinfarktbehandlung in Baden-Württemberg.
 
Rund 280.000 Menschen erleiden in Deutschland Jahr für Jahr einen Herzinfarkt. Über 50.000 sterben an einem akuten Herzinfarkt. Zwar ist diese Zahl rückläufig, dennoch gehört der Herzinfarkt nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrieländern. Zu einem akuten Herzinfarkt kommt es, wenn sich ein Herzkranzgefäß verschließt und ein Teil des Herzmuskels nicht mehr durchblutet ist. Gelingt es nicht, das verstopfte Herzkranzgefäß schnellstens wieder zu öffnen, sterben Teile des Herzmuskels ab. Im schlimmsten Fall versagt das Herz ganz.
 
„Die Möglichkeiten und Techniken der interventionellen Kardiologie haben sich in den vergangenen 25 Jahren enorm verbessert und erweitert“, sagt Prof. Dr. Manfred Mauser, der zunächst als Oberarzt und ab 2004 als Chefarzt der Medizinischen Klinik am Ortenau Klinikum in Lahr für den Herzkathetermessplatz verantwortlich ist. Auch am Ortenau Klinikum in Lahr, an dem heute ein sogenannter Liknksherz-Kathedermessplatz der neuesten Generation zu Verfügung steht, hat der Kardiologe die Möglichkeiten in Diagnose und Therapie stetig ausgebaut.
 
Dabei ist das Prinzip einer Herzkatheter-Untersuchung seit 25 Jahren unverändert. Ein dünner Kunststoffschlauch (Katheter) wird über Blutgefäße in den Körper eingeführt. Den Katheter schiebt der spezialisierte Arzt dann unter Röntgenkontrolle bis zu den Herzkranzgefäßen oder den Herzkammern vor. Mit Hilfe eines Röntgen-Kontrastmittels kann der Arzt die Herzkranzgefäße auf dem Röntgenbildschirm sichtbar machen und sie eingehend überprüfen. Über 2.200 dieser diagnostischen Eingriffe werden in Lahr pro Jahr vorgenommen. „Damit liegen wir auf Platz zehn der rund 60 Zentren in Baden-Württemberg, die solche Untersuchungen durchführen“, so Prof. Dr. Manfred Mauser.
 
Der Herzkatheter kommt heutzutage nicht nur als Diagnoseverfahren zum Einsatz, sondern auch in der Therapie verschiedener Herzerkrankungen – beispielsweise bei einem Herzinfarkt. Am häufigsten wird dabei die sogenannte Ballondilatation durchgeführt, um eine verengte oder verschlossene Stelle eines Herzkranzgefäßes zu öffnen. An der Spitze eines feinen Schlauches befindet sich dann ein zusammengefalteter Ballon, der an der Engstelle aufgebläht wird und diese dadurch weitet. In den meisten Fällen wird gleichzeitig ein auf dem Ballon aufgebrachter Stent (Gefäßstütze aus Edelstahl) entfaltet. Dieser soll verhindern, dass sich die aufgedehnte Engstelle nach Entfernen des Ballons wieder verschließt. Über 800 dieser therapeutische Eingriffe nehmen die Herzspezialisten am Ortenau Klinikum in Lahr jedes Jahr vor.
 
Herzinfarktzentrum
Über 600 davon bei einem schweren akuten Herzinfarkt, der ein schnelles Eingreifen erfordert, um das Leben des Patienten zu retten. Vor zehn Jahren hat Prof. Dr. Manfred Mauser dafür das Herzinfarktzentrum gegründet. „Das sind etwa 90 Prozent aller Herzinfarktkatheter-Eingriffe bei Einwohnern des Ortenaukreises“, so Prof. Dr. Mauser. Fünf Kardiologen mit großer Erfahrung in der Katheterbehandlung von Herzkranzgefäßverengungen teilen sich den damit verbundenen Bereitschaftsdienst. Innerhalb von 15 Minuten nach Eintreffen der Patienten ist zu jeder Tages- und Nachtzeit eine Notfallkatheter-Behandlung möglich.
 
Bei rund 97 Prozent der Patienten kann das verschlossene Herzkranzgefäß durch einen Notfallkathetereingriff wieder erfolgreich geöffnet werden. Die Versorgungsqualität liegt damit in der Ortenau auch im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch. Führt beispielsweise in den bundesweit über 250 Kliniken der Initiative Qualitätsmedizin ein Herzinfarkt bei 8,5 Prozent der Patienten zum Tod, so liegt dieser Wert im Herzinfarktzentrum Lahr mit 4,2 Prozent um die Hälfte niedriger.
 
„Diese Daten unterstreichen bei der Behandlung von akuten lebensbedrohlichen Erkrankungen wie dem Herzinfarkt die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen auf der einen und einer hohen Spezialisierung und Zentrumsbildung auf der anderen Seite. Beides können wir im Verbund des Ortenau Klinikum leisten. Nur so lassen sich überdurchschnittliche Behandlungsergebnisse erzielen“, betont Prof. Dr. Manfred Mauser.
 
Brustschmerz-Einheit
Ein Herzinfarkt äußert sich insbesondere durch einen akuten Brustschmerz. Er ist auch das häufigste Symptom, mit dem Patienten in die Notaufnahme oder Klinik-Ambulanz kommen. „Wichtig ist daher, diese Beschwerden möglichst rasch und zielgerichtet abzuklären und die Patienten so schnell wie möglich der richtigen, manchmal lebensrettenden Behandlung, zuzuführen“, so Prof. Dr. Mauser. Das Ortenau Klinikum in Lahr hat dafür in den vergangenen Jahren eine Brustschmerz-Einheit (Chest Pain Unit) aufgebaut, die sich auf zahlreiche rund um die Uhr verfügbare Untersuchungen wie EKG, Labor, Echokardiographie und insbesondere auch die 24 Stunden Herzkatheterbereitschaft stützen kann. Zwischen Freiburg und Rastatt ist sie zur Zeit die einzige durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie zertifizierte Einheit in der Region.
 
Symposium
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Herzkatheters veranstaltet das Ortenau Klinikum in Lahr am kommenden Samstag (8. November) ein Symposium zur den aktuellen Möglichkeiten und Techniken der interventionellen Kardiologie. Prof. Dr. Mauser sowie Kollegen aus der Universitätsklinik Ulm, dem Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen sowie der Kerkhoff Klinik Bad Nauheim werden die Fortschritte der interventionellen Kardiologie beleuchten und würdigen. Zugleich soll die Veranstaltung, zu der niedergelassene Ärzte aus der Region eingeladen sind, in klaren Stellungnahmen Indikationen und Grenzen der Methode aufzeigen.

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