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Vorsicht Zeckensaison!

Der Juni zählt zu den Monaten mit der höchsten Zeckenaktivität. Dr. Johannes Borde, Leiter der Klinischen Infektiologie am Ortenau Klinikum Achern, gibt Hinweise auf Diagnose, Behandlung und Vorbeugung.

Jeder kennt, jeder fürchtet sie: die winzigen Blutsauger, die meist völlig unbemerkt im Unterholz auf Mensch und Tier lauern. Dabei ist ein Zeckenstich (umgangssprachlich auch Zeckenbiss) keineswegs nur lästig. Ist die Zecke mit Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert, kann ein eigentlich harmloser Stich gefährlich werden. Besondere Vorsicht ist vor allem in Süddeutschland geboten. Die Ortenau zählt zu einem der Gebiete in Deutschland mit erhöhtem FSME-Risik.
 
Doch nicht alle Zecken sind Träger von Erregern. „Meist bildet sich nur eine harmlose kleine Rötung an der Einstichstelle, ein leichtes Brennen und nach wenigen Tagen ist alles vorbei“, berichtet Dr. Johannes Borde, Leiter der Klinischen Infektiologie am Ortenau Klinikum Achern. Um das Risiko bestimmter Infektionen zu verringern und Entzündungen zu vermeiden, sei es dennoch wichtig, die Zecke möglichst schnell vollständig zu entfernen. Dazu fasst man sie mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenwerkzeug am Kopf ganz dicht an der Wunde und zieht sie langsam, ohne zu drehen, heraus. Niemals sollte man Öl oder andere Substanzen auf die Zecke träufeln, denn das könnte zu einer Absonderung von Speichel führen. „In jedem Fall ist es ratsam, die Einstichstelle zu desinfizieren und noch eine Weile auf mögliche Veränderungen an der kleinen Einstichstelle sowie das allgemeine Befinden zu achten“, sagt Dr. Borde.
 
Zu den zeckenübertragenen Infektionskrankheiten, die in ganz Deutschland vorkommen, gehört die Borreliose. Bei etwa 80 bis 90 Prozent der Erkrankten erkennt man die Borreliose zunächst an der Wanderröte. Ein heller roter Fleck breitet sich dabei von der Einstichstelle nach außen hin aus. „Wer dies bei sich bemerkt oder Zweifel hat, sollte umgehend zu seinem Hausarzt gehen oder zu uns in die Medizinische Klinik“, empfiehlt Dr. Borde. Anhand des klinischen Bildes kann der Arzt sofort mit einer antibiotischen Behandlung beginnen. Dadurch lassen sich spätere Stadien der Borreliose vermeiden, die mit der Erkrankung weiterer Organe einhergehen können.
 
Eine weitere, durch Zecken übertragene Krankheit ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Anders als der Name sagt, wird diese Erkrankung keinesfalls nur im Frühsommer übertragen. Durch die zunehmend milden Winter beschränkt sich die Zeckensaison nicht länger auf den Frühling, Sommer und Herbst. Die kleinen Parasiten sind vermehrt auch im Winter aktiv. Bei einer Temperatur ab etwa sieben Grad sind sie auf der Suche nach einem Wirt, Mensch oder Tier, um sich mit Nährstoffen zu versorgen. Auch im Winter gab es daher bereits FSME-Fälle.
 
Nach einer Infektion treten meist innerhalb von sieben bis 14 Tagen die ersten Symptome auf. „In der ersten Phase klagt der Patient über grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- oder Gliederschmerzen“, so Dr. Borde. „Nach einigen fieberfreien Tagen kann es dann zu einer neurologischen Erkrankung kommen, wie Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung – fast immer mit sehr hohem Fieber von über 40 Grad.“ Bislang ist bei FSME nur eine Behandlung der Symptome, wie zum Beispiel starker Kopf- und Gliederschmerzen, möglich. In den meisten Fällen heilt die Infektion folgenlos aus. Kinder und Jugendliche genesen in der Regel schneller und haben seltener neurologische Spätfolgen.
 
FSME ist derzeit die einzige von Zecken übertragbare Erkrankung, gegen die eine Impfung möglich ist. Für eine vollständige Grundimmunisierung wird dreimal innerhalb eines Jahres geimpft. Danach muss der Impfschutz alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. Dr. Borde rät: „Menschen, die in unserer Region leben oder sich hier länger aufhalten, empfehle ich eine Impfung. Allein im vergangenen Jahr hatten wir 25 Fälle von FSME.“

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